Plocnik. (dpa) Es war ein gewaltiger Feuersturm, der die blühende Siedlung, ein namenloses Dorf eines namenlosen Volkes im heutigen Südserbien, vor etwa 7000 Jahren in Schutt und Asche legte. Das Besondere an diesem 120 Hektar großen Flecken beim heutigen Dorf Plocnik: Hier verwendeten Menschen erstmals Metall. Sie gewannen Kupfer aus Bergwerken und gossen daraus erste Metallwerkzeuge. 47 von ihnen wurden in Plocnik gefunden: Beile, Hämmer, Hacken, Nadeln. Deren Datierung im englischen Oxford gilt in der Fachwelt als echte Sensation. Sie sind rund 7500 Jahre alt und damit bis zu 800 Jahre älter als alle bisherigen Funde von Kupferwerkzeugen. "Das waren keine Wilden", ist Grabungsleiterin Julka Kuzmanovic-Cvetkovic sicher. "Die Frauen trugen schon Minikleider oder lange Wollumhänge", will sie an den vielen gefundenen Statuetten aus Keramik entdeckt haben: "Die Menschen trugen ihr Haar fein gekämmt und schmückten sich mit Halsketten."
Schritt in die Moderne
"Tatsächlich sensationell", adelt der prominente Tübinger Archäologe Ernst Pernicka den Fund. Bisher nahm man an, dass die Kupfergewinnung und -verarbeitung sich etwas später von Vorderasien her ausgebreitet habe. "Das war ein erheblicher Schritt der Menschheit in die Moderne", so Pernicka zur Bedeutung des Übergangs von Stein- zu Metallwerkzeugen. Denn dafür mussten die Menschen chemische Prozesse verstehen.
«Das waren keine Wilden»: Die Menschen der Kupferzeit
In Südserbien sind die weltweit ältesten Kupferwerkzeuge gefunden worden. Die Archäologen entdecken Schritt für Schritt, wie die Menschen vor 7000 Jahren gelebt haben
Plocnik (dpa) - Es war ein gewaltiger Feuersturm, der die blühende Siedlung in Schutt und Asche legte. Die Hitze war so groß, dass auch heute noch, nach immerhin 7000 Jahren, die Erde schwarz verbrannt ist. Kampfspuren wurden nicht entdeckt. Experten spekulieren über ein Riesenfeuer nach einem Erdbeben. Jedenfalls stürzten die Hauswände ein und begruben unter sich Geschirr, Arbeitsplatten, Statuen und Werkzeuge. In der Feuersbrunst ging ein namenloses Dorf eines namenlosen Volkes im heutigen Südserbien unter.
Das Besondere an diesem 120 Hektar großen Flecken beim heutigen Dorf Plocnik (20 Kilometer westlich der südserbischen Stadt Prokuplje): Hier verwendeten die Frühmenschen erstmals Metall. Sie gewannen Kupfer aus Bergwerken und gossen daraus erste Metallwerkzeuge. 47 von ihnen wurden in Plocnik gefunden: Beile, Hämmer, Hacken, Nadeln. Deren Datierung durch das angesehene Institut im englischen Oxford sorgte in der Fachwelt für eine echte Sensation. Sie sind rund 7500 Jahre alt und damit bis zu 800 Jahre älter als alle bisherigen Funde von Kupferwerkzeugen weltweit.
«Das waren keine Wilden», ist Grabungsleiterin Julka Kuzmanovic-Cvetkovic sicher. «Die Frauen trugen schon Minikleider oder lange Wollumhänge», will sie an den vielen gefundenen Statuetten aus Keramik entdeckt haben: «Die Menschen trugen ihr Haar fein gekämmt und schmückten sich mit Halsketten». Die agile Archäologin hat schon eine moderne Designerin gewonnen, die Mode der damaligen Zeit nachzustellen. «Na, Du mit Deinem Modefimmel», grummelt Dusan Sljivar. Der etwas kauzige Archäologe gräbt hier mit Helfern seit 1996. Die Fingerkuppen des Kettenrauchers sind schwarz vom Buddeln in der Erde - ausschließlich mit Schaufel und Spachtel.
In diesem Jahr haben sie ein drittes Haus vom Ende des 6. Jahrtausends vor Chr. gefunden. Etwa acht Meter lang und fünf Meter breit, das größte bisher. Sie haben das meterdicke Erdreich fein säuberlich abgetragen und den Boden des Gebäudes freigelegt. Überall sind Brandspuren, zerbrochenes Geschirr und Arbeitsplatten zu sehen. Die Archäologen hoffen, unter dieser Trümmerschicht vielleicht wieder sensationell alte Kupferwerkzeuge zu finden. «Jedenfalls sehen wir hier einen Ofen», deutet Sljivar auf eine Stelle.
«Tatsächlich sensationell», adelt der Tübinger Archäologieprofessor Ernst Pernicka den Fund der frühen Metallwerkzeuge in Plocnik. Das Urteil des Experten zählt in der Fachwelt. Schließlich handelt es sich um den prominenten Leiter der Ausgrabung des griechisch-türkischen Troja. Pernicka hatte sich gemeinsam mit anderen Fachkollegen vor kurzem vor Ort ein Bild gemacht. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die Kupfergewinnung und -verarbeitung sich etwas später aus Vorderasien in andere Teile der Welt ausgebreitet habe, erklärt er die Bedeutung. Mit den neuen Funden in Südosteuropa müssten jetzt parallele Entwicklungen in verschiedenen Teilen der Welt angenommen werden.
«Das war ein erheblicher Schritt der Menschheit in die Moderne», beschreibt Pernicka die Bedeutung des Übergangs von Stein- zu Metallwerkzeugen. In der Tat mussten diese frühen Menschen dafür chemische Prozesse verstehen. «Wir haben hier in Südosteuropa das ganze Programm», erläutert auch der Tübinger Kupferzeit-Experte Raiko Krauß. «Das reicht vom Erzabbau über die Kupfergewinnung bis zum Gießen der Werkzeuge». «Das Besondere in Plocnik ist, dass es am Beginn der Kupferzeit (5. bis 4. Jahrtausend vor Chr.) steht». In der Tat hatten die Oxforder Datierungen ergeben, dass die hier ausgebuddelten Kupferwerkzeuge bis zu 7500 Jahre alt sind. Damit ist klar, dass Metall bereits bis zu 800 Jahre früher bearbeitet wurde als bisher angenommen.
Während unsere frühen Artgenossen die Umwelt bis dahin nur mit Steinen bearbeiteten, bot das neue Material große Vorteile. Wenn Beile, Messer, Hacken oder Nadeln stumpf waren oder gar zerbrachen, konnten die Kupfergeräte leicht neu eingeschmolzen und gegossen werden. Die Steinartefakte waren meist unwiderruflich verloren. In Plocnik wurde vor zwei Jahren ein kompletter Schmelzofen gefunden, durch den die Archäologen lernten, was die Kupferzeitgenossen schon alles konnten und wussten.
Am Rande des Grabungsfeldes im winzigen windschiefen, 90 Jahre alten ehemaligen Bahnhof versucht Marija Svila die Berge von Keramikscherben zusammenzupuzzlen. Die ausgebildete Archäologin findet seit langem keine Arbeit und hat hier einen Gelegenheitsjob ergattert. Neben ihr sitzt Archäologiestudent Sasa Zivkovic, der Statuetten und deren Fragmente fein säuberlich mit dem Bleistift auf Papier bannt. Der unwirtliche und zugige Raum wird von einem mit dicken Holzscheiten befeuerten Bollerofen notdürftig warm gehalten.
Die Chefin Kuzmanovic-Cvetkovic hat die schönsten Ausgrabungsstücke in ihrem Dienstzimmer im Museum der Kreisstadt Prokuplje, dem ehemaligen Postamt, eingeschlossen: Die «Göttin auf dem Sockel» zeigt eine üppige Frau aus Keramik. Aus gebranntem Ton sind Henkeltassen zu sehen, deren Design sich bis heute nicht verändert zu haben scheint. Jede Menge Schüsseln und Teller warten in den Schränken darauf, einmal in würdigem Rahmen ausgestellt zu werden.
Die Grabungsleiterin zieht auch dieses fein anmutende Haushaltsgeschirr für ihre These heran, dass die damaligen Menschen schon erstaunlich kultiviert lebten. «Um ihre Häuser hatten sie Gärten angelegt, sie züchteten Schafe, Ziegen und Kälber», berichtet die Fachfrau. «Offensichtlich hatten sie ihre Lebensbereiche fein säuberlich in einen Privat- und einen Arbeitsbereich getrennt. «Es gab eine gewisse Urbanität», erklärt sie. Die Häuser bestanden aus einem Geflecht von Weidenruten, das mit Lehm abgedichtet wurde. Sie waren so ausgerichtet, dass sie sich gegen Wind und Wetter behaupten konnten.
Einige dieser Hütten wurden von den Wissenschaftlern jetzt nachgebaut. Sie sollen den Kern eines geplanten Besucherzentrums bilden. Allen ist klar, dass durch eine touristische Nutzung der wissenschaftlichen Sensation gutes Geld zu verdienen wäre. Denn das ist knapper als knapp. Ausländische Unterstützung gab es bisher gar nicht, und im armen Serbien sind die öffentlichen Mittel rar. «Toll wäre, wenn viele Archäologiestudenten hier mithelfen würden», formuliert die Grabungschefin eine Herzensangelegenheit.
Denn nur ein kleiner Teil des Grabungsgeländes wurde bisher mit modernen geophysikalischen Methoden wie dem sogenannten Georadar verortet. «Für die Kartografierung des gesamten Areals fehlt uns schlicht das Geld», sagt Kuzmanovic-Cvetkovic. Dabei findet man hier auf Schritt und Tritt uralte Zeugnisse der Vergangenheit. Die überreiche Fundstätte war schon 1927 beim Bau einer Eisenbahnlinie entdeckt worden, aber mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Seit 1996 wird wieder gegraben. Die Sensationsfunde waren der Lohn.
Die Ausgrabungsstätte ist erst zu einem Bruchteil erforscht. Nordöstlich von Plocnik hat man in Ostserbien bei den auch heute noch bekannten Bergbaustätten Bor und Majdanpek jüngst Schlacken gefunden, die beim Schmelzen des Kupfergesteins übriggeblieben war - ebenfalls mit einem sensationellen Alter. Bisher sei nicht klar, warum gerade in Plocnik vergleichsweise viele Kupferwerkzeuge gefunden wurden, erklärt die Grabungschefin. Wurde hier produziert oder war die Siedlung vor allem ein Handelszentrum? Jedenfalls sprießen hier überalle die «Kupferveilchen»- untrügerisches Zeichen für die Existenz dieses Metalls im Boden.
Ob Plocnik wirklich als «erster Ort der Kupferzeit» in die Geschichtsbücher eingeht, ist allerdings überhaupt nicht ausgemacht. Unbestreitbar seien die Funde hier «sehr, sehr früh», sagt der Tübinger Experte Krauß. Das sei auf eine «glückliche Fundsituation» in Südosteuropa zurückzuführen, die einen «guten Forschungsstand» erlaube. Nicht ausgeschlossen sei, dass in Ostanatolien ähnliche Funde ans Licht kommen, wenn zum Beispiel in der Türkei wieder Staudämme oder anderen Großvorhaben in Angriff genommen werden. «Denn in Vorderasien haben wir heute noch einen niedrigen Forschungsstand».
Schade das wiedereinmal das Geld bei uns fehlt.. Frag mich was für ein Volk das gewesen sein muss? Weil die Serben sind ja so sagt man zumindest erst im 6/7 Jahrhundert in den Balkan eingetroffen? Vllt. waren es die Illyrer, weil die sind ja ausgestorben?
Zitat von SLOGA Schade das wiedereinmal das Geld bei uns fehlt.. Frag mich was für ein Volk das gewesen sein muss? Weil die Serben sind ja so sagt man zumindest erst im 6/7 Jahrhundert in den Balkan eingetroffen? Vllt. waren es die Illyrer, weil die sind ja ausgestorben?
die Illyrer sind als das dortige Urvolk praktisch ausgeschlossen dafür waren sie im römischen Reich nur als primitive Flusspiraten (Barbaren) bekannt und das auch nur Jahrtausende später und in der Epoche auch nur eine ganz kurze Zeit
Man geht heute von der Ansicht, dass die Illirer sich in die verschiedensten Völker assimiliert haben in Germanen, Balkanvölker und die später ankommenden Slawen Nur die Albaner vertreten eine Version dass sie von Illyrern abstammen (was absoluter Kokolores ist, aber sie brauchen diese Version seit 1999 um Kosovo und andere Regionen als ihr ur-eigen zu annektieren)
Auch dass es die Mazedonier sein könnten ist relativ unwahrscheinlich sie sind auch nur dadurch bekannt, dass "die Antiken Griechen" sie als Barbaren in ihrer geschichtsschrreibung aufgenommen haben (aber sie sind wesentlich bekannter als die Illyrer in dieser Gegend, von denen man praktisch nichts weiß) aber sie sind auch nicht bekannt, dass sie dort 7,5 tausend Jahre dort wären
Falls es überhaupt eines der heutigen Völker sein könnte, dass selbst vor 7,500 Jahren dort gelebt hat dann am wahrscheinlichsten die antiken Griechen sie sind das einzige Volk, dass schon in der tiefsten Antike in Europa hochmodern war als ein anderes ältestes Volk Europas sind nur noch die Basken bekannt (und die leb(t)en ganz wo anders, in Spanien)