16. Juli 1054: gegenseitiger Bann des päpstlichen Gesandten Kardinal Humbert von Silvacandida und des Patriarchen Michael Kerullarios Aufhebung des Bannes am 7. Dezember 1965 - einen Tag vor Beendigung des 2. Vatikanischen Konzils - durch Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras
Gründe für die Trennung
- Gegenseitiges Unverständnis für die griechische (östliche) bzw. lateinisch-römische (westliche) Ausprägung des Christentums - Verwechslung von Einheit mit Uniformität - Machtstreben auf beiden Seiten - Treue zur eigenen, gewachsenen Tradition
Hindernisse zur Wiedervereinigung heute
- Mentalitätsunterschiede und daraus resultierende Arroganz der römischen Kirche gegenüber dem Osten -Politisch-kriegerische Greuel zwischen beiden Konfessionen: 1204: die Eroberung Konstantinopels im 4. Kreuzzug; 1453: Hilfe gegen Osmanen kommt zu spät, Konstantinopel wird erobert; bis heute: Konflikte zwischen Kroaten und Serben - Unierte Christen werden als von Rom zu Unrecht vereinnahmt betrachtet
Einigungsversuche
1274: 2. Konzil von Lyon 1431-1437: Konzil von Basel und Ferrara-Florenz. Dabei wurden vor allem theologische Probleme geklärt. Eine Folge war die Union von Brest-Litowsk, dem heutigen Berestov - seit 1950: Ökumenische Bewegung und Aufnahme offizieller Dialoge
die ersten 7 Konzile bis zum 2. Konzil von Nicäa 787
theologische Unterschiede
zur katholischen Kirche: keine zu den Evangelischen: siehe katholische Kirche
Weltbild
Die Theologie ist nur verständlich vor dem Hintergrund des platonischen Denkens: Diese Philosophie geht aus von der Existenz ewiger Ideen, deren Abbild die erfahrbare Wirklichkeit ist. Für den Menschen bedeutet das, dass das, was er hier erfährt, nur ein schwacher Abglanz der Ewigkeit ist. (vgl. das "Höhlengleichnis")
Lehre
basiert auf der schriftlichen (Bibel: AT und NT) und mündlichen Überlieferung sowie der Tradition, große Wertschätzung der Kirchenväter
Gottesverständnis
Christus war das Bild Gottes in dieser Welt. Christus wird als Weltenrichter (Pantokrator) dargestellt, der den Menschen zur Rechenschaft ziehen wird; Gott wird immer als der verstanden, der das Heil der Menschen will. Denn ein gütiger und menschenliebender Gott bist Du, und Dir senden wir den Lobpreis empor: dem Vater, dem Sohn und Gott, dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Liturgikon, S. 429)
Sakramente
es gibt sieben Sakramente (wie in der katholischen Kirche) - zusammen mit der Taufe wird die Firmung und die erste Kommunion gespendet
- Prinzipiell gilt die Unauflöslichkeit der Ehe, sie kann aber geschieden werden; kirchliche Wiederverheiratung ist nach einem Bußakt möglich - Priesteramtskandidaten können vor der Weihe zum Diakon heiraten.
Ideal
Mönchtum - Klostergottesdienste (Vesper, das kirchliche Abendgebet, und Matutin, das Morgengebet, werden auch in der Pfarrei gebetet)
Gottesdienste
- neben der Göttlichen Liturgie (Messe) haben Gottesdienste aus dem klösterlichen Stundengebet besondere Bedeutung - Wortgottesdienste werden oft gefeiert (Totenfeier, Lobfeier = Te Deum, Namenspatrone - Predigt hat geringeren Stellenwert; es gibt genug überlieferte Texte, in denen Bibelstellen meditiert und aktualisiert werden - es werden nicht nur Gehör (Texte und Lieder), sondern auch Augen (Ikonen = Bilder) und Geruchssinn (aromatisierter Weihrauch) angesprochen
Dogmen
sind Bekenntnisse der Großtaten Gottes, die in der Bibel festgehalten und deshalb nicht diskutabel sind
Organisation
15 "autokephale" (eigenständige) und 3 "autonome" (teilweise eigenständige) Kirchen: Die Eigenständigkeit bezieht sich auf pastorale Fragen und Fragen der Verwaltung. In Glaubensfragen fallen Entscheidungen nach Übereinkunft mit den anderen Kirchen. Ehrenvorrang (Ehrenprimat) unter den Kirchenoberhäuptern der Landeskirchen hat der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel
Selbstverständnis als Kirche
Die Kirche hat heilende, nicht strafende Aufgaben, sie soll dem Menschen in seiner Schwäche auf seinem Weg zu Gott entgegenkommen
Kirchliche Ämter
Diakone und Priester - sie können verheiratet sein - oder sie gehören einem Kloster an. Bischöfe sind immer Mönche, also ehelos; verwitwete Priester können Bischof werden, sie schließen sich einem Kloster an; Bischofskandidaten sollten über eine gute Hochschulausbildung verfügen
Verbreitung
Die orthodoxe Kirche repräsentiert in der Kirche Jesu Christi die griechische und slawische Christenheit
Verbreitung
im 1. Jahrtausend im Oströmischen Reich bis nach Russland, daher die Bezeichnung "Ostkirche". heute: durch Auswanderung, Flucht und Gastarbeiter auch weltweit
Zahl
etwa 150 Millionen Menschen, etwa 12,5% der Christen, etwa 4% der Weltbevölkerung