Zitat Zwei Mosuo-Frauen in Tracht - Eine Mosuo-Frau vor ihrem Haus
Mosuo in China Wo Männer keine Macht haben – und trotzdem glücklich sind Weniger Arbeit, keine feste Beziehung, viel Zeit mit den Freunden
Männer, die wenig arbeiten müssen, jede Nacht eine andere Frau haben können und sich nicht fest binden müssen – für unsere Verhältnisse klingt das ungewöhnlich, für Männer geradezu paradiesisch. Für die ethnische Gruppe der Mosuo in China dagegen ist das völlig normal: Dort haben die Frauen die Macht – und den Männern geht es dadurch viel besser…
Ein Dorf am Ufer des Lugu-Sees in Südchina
Der argentinische Journalist Ricardo Coler verbrachte dort mehr als zwei Monate. Über seine Erfahrungen schrieb er das Buch „Das Paradies ist weiblich“ (Kiepenheuer, 17,95 Euro).
Im Interview mit Spiegel Online fasst er zusammen: „Männer leben besser, wo die Frauen das Sagen haben:Du bist für fast nichts verantwortlich, du arbeitest viel weniger und du bist den ganzen Tag mit deinen Freunden zusammen. Jede Nacht bist du mit einer anderen Frau zusammen. Und obendrein kannst du für immer bei deiner Mutter leben. Die Frau bedient den Mann, und das in einer Gesellschaft, in der sie bestimmt und über das Geld verfügt.“
Die Gegend, in der die Frauen das Sagen haben, liegt im Süden Chinas, rund um den Lugu-See. Die Mosuo sind eine Gemeinschaft von rund 35 000 Menschen, die im Matriarchat, also unter der Herrschaft von Frauen, leben. Zwar ist die offizielle staatliche Autorität im Dorf, der Bürgermeister, ein Mann – allerdings wird er von niemandem beachtet und genießt keinerlei Ansehen.
Doch auch Männer dürfen Entscheidungen treffen – nämlich die ganz großen, zum Beispiel, ob eine Maschine oder ein Haus gekauft oder eine Kuh verkauft wird. „Männer taugen für diese Art von Entscheidungsfindung und für körperlich harte Arbeit“, so Coler.
Auch im Liebesleben sind die Rollen klar verteilt: Es gibt keine festen Beziehungen, Dinge wie Hochzeit und Familiengründung interessieren Mosuo-Frauen nicht. Das Sexualleben ist sehr ausgeprägt, die Partner werden häufig gewechselt. Kinder wissen meist nicht, wer ihr Vater ist, doch weder für die Frauen noch für die Kinder ist dies von Bedeutung.